Liked. Lacked. Learned.

Über kalte Anrufe, die Kunst, leise laut zu sein – und die Kraft achtsamer Mediennutzung.

👋 Herzlich willkommen zum Newsletter der Kommunikationsagentur hypr. Hier zeigen wir dir, was uns im Laufe der Woche gefallen, was uns gefehlt hat und was wir gelernt haben. Liked, Lacked, Learned eben.

Sachars erstes Handy war ein Nokia (Bild: Isaac Smith) 

Neulich habe ich einem Dienstleister per E-Mail gekündigt. Zwei Minuten später klingelte mein Telefon. Es war der Geschäftsführer – wahrscheinlich wollte er retten, was zu retten ist. Ich habe den Anruf weggedrückt. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus Prinzip.

Ich weiß, wie seltsam das klingt. Ich bin 44 Jahre alt. Ich bin mit Telefonieren aufgewachsen. Ich habe mein erstes Handy gekauft, um genau das zu tun: telefonieren. Und doch merke ich immer öfter: Ich mag es nicht mehr, wenn man mich einfach so anruft.

Das hat wenig mit Scheu oder Überforderung zu tun. Es hat mit Respekt zu tun – und mit Macht.

Ein Anruf unterbricht alles. Er platzt in den Tag hinein und beansprucht sofortige Aufmerksamkeit. Wenn du nicht rangehst, wirkt es wie ein Affront. Wenn du rangehst, musst du sofort reagieren. Keine Zeit zum Nachdenken, kein Raum für Prioritäten. Der Anrufer bestimmt, wann gesprochen wird – nicht der Angerufene. Und je nach Hierarchie ist das keine Kleinigkeit.

Ich glaube, wir müssen genauer hinsehen, was unsere Kommunikationsformen über uns aussagen – und was sie mit anderen machen. Wer spontan anruft, ist nicht per se übergriffig. Aber es gibt ein feines Machtgefälle zwischen „Ich wollte dich mal eben sprechen“ und „Ich wollte fragen, wann es dir passt“.

Vielleicht ist das keine Generationenfrage, sondern eine Frage von Haltung.

Ich will niemanden umerziehen. Es gibt viele Situationen, in denen ein Telefonat unschlagbar ist: emotional, direkt, verbindlich. Aber wir sollten bewusster kommunizieren. Eine Nachricht vorab, ein kurzes „Hast du gerade Zeit?“ – das reicht oft, um aus einem Überfall ein Gespräch auf Augenhöhe zu machen.

Ich jedenfalls merke, wie sehr ich Gespräche mag, die ich selbst mitgestalten kann – inhaltlich und zeitlich. Und wie wenig ich mich nach Gesprächen sehne, die mit einem Klingeln beginnen und mit einem flauen Gefühl im Bauch enden.

Vielleicht ist das keine Generationenfrage, sondern eine Frage von Haltung. Vielleicht ist es Zeit, dass wir Kommunikation neu denken – nicht weniger menschlich, aber mit mehr Rücksicht. Und vielleicht ist es auch einfach okay, zu sagen: Nicht jedes Gespräch muss jetzt sofort sein.

Denn manchmal liegt in der Stille mehr Respekt als in der Lautstärke.

Sachar wird nicht gerne „kalt” angerufen.

Liked. 🫶

Adolescence ist keine leichte Serie – aber eine, die gebraucht wird. (Bild: Netflix)

Was Adolescence so stark macht: Sie bleibt leise, wo andere laut wären. Ohne Erklärbogen und Empathie-Zwang zeigt sie, wie toxische Männlichkeitsbilder entstehen, wirken und eskalieren – nicht irgendwo im Netz, sondern mitten in unserer Gesellschaft. Die Serie ist unbequem, unaufgeregt, ungewohnt echt. Und gerade deshalb so wichtig. Dass sie weltweit gesehen wird, macht Mut: für mehr Gespräche über Macht, Rollen und Verantwortung.

Lea schätzt Geschichten, die nicht gefallen wollen – sondern etwas zeigen.

Lacked.

Die Zahl der diagnostizierten Depressionen steigt – aber gleich so, dass 50 Prozent mehr Fehltage entstehen? (Bild: IMAGO/MASKOT)

50 Prozent mehr Fehltage wegen Depressionen? Krass, denkt man sich – bis jemand genauer hinschaut. Die alarmierende Zahl geisterte vergangene Woche durch alle Medien, war aber falsch, wie die Süddeutsche inzwischen nachgerechnet hat. Kein Einzelfall: Mai Thi Nguyen-Kim hat in einer sehenswerten Analyse gezeigt, wie leicht wir uns von scheinbar klaren Zahlen täuschen lassen – am Beispiel der Polizeilichen Kriminalstatistik. Darauf, wie man Statistiken kritisch einordnet, gibt auch der Klassiker Factfulness von Hans Rosling lesenswerte Hinweise.

Mark wollte vor langer Zeit mal Statistiker werden.

Learned. 💡

Max will künftig einen Tag ohne Handy verbringen (Bild: Camilo Jimenez auf Unsplash)

Dass Social Media nicht gesund ist, ist nicht neu. Und dass es Kindern nicht gut tut, auch nicht. Dass aber schon eine Woche ohne mobiles Internet das Wohlbefinden messbar verbessert – das hat mich überrascht. Laut einer aktuellen Studie im PNAS Nexus gaben 91 Prozent der Teilnehmenden an, sich danach aufmerksamer, entspannter und psychisch stabiler zu fühlen. Die Forschenden vermuten: Wer offline ist, wird weniger abgelenkt, schläft besser – und vergleicht sich seltener mit anderen. Außerdem verbringen viele ohne Handy mehr Zeit draußen in der Natur, was sich zusätzlich positiv auswirkt. Was ich deshalb künftig testen will: einen Tag am Wochenende ohne Handy. Mal schauen, was das mit mir macht.

Max liebt Technologie – und will sie genau deshalb achtsamer nutzen.

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