Liked. Lacked. Learned.

Darüber, was für unsere Demokratie jetzt entscheidend ist.

👋 Herzlich willkommen zum Newsletter der Kommunikationsagentur hypr. Hier zeigen wir dir, was uns im Laufe der Woche gefallen, was uns gefehlt hat und was wir gelernt haben. Liked, Lacked, Learned eben.

Am Sonntag wird gewählt. (Bild: Mika Baumeister)

Nun denn. Diese Woche geht es um alles: Deutschland wählt einen neuen Bundestag. Wir wählen einen neuen Bundestag. Du wählst einen neuen Bundestag. 

Wir müssen es uns immer wieder bewusst machen, dass (noch) die Demokratie unser Werkzeug ist, um uns vor solchen Menschen und Mächten zu schützen, die eben diese abschaffen wollen. Deine Stimme ist wichtig – vor allem, weil ein Drittel aller Wahlberechtigten sich noch nicht entschieden hat.

Was also bleibt zu tun? Sprich diese Woche mit möglichst vielen Leuten und mach ihnen klar, wie wichtig ihre Stimme ist und dass sie am Sonntag (oder vorher per Briefwahl) wählen sollen. Und sprich auch mit solchen Leuten, die nicht Deiner Meinung sind. 

Wir – mich eingeschlossen – sprechen zu oft von den „Irren” oder „Nazis”, wenn wir Menschen meinen, die z. B. die AfD wählen. Warum das gefährlich ist, hat Ruben Gallego in einem sehr interessanten Interview mit der New York Times erklärt: Darin geht es zwar nicht um Deutschland sondern um die USA, Trump und vor allem die amerikanische Demokratische Partei. Die Demokraten, so Gallego, hätten die Wahl verloren, weil sie nicht mehr mit „den Menschen” gesprochen hätten, sondern nur noch mit den Menschen, die ohnehin die Demokraten wählen. Die Wechselwähler wären somit zu Trump gewandert. Gallego sagt das – wohlgemerkt – als Demokrat!

Lasst uns wirklich zu verstehen versuchen, warum Menschen Parteien wählen, die wir nicht für richtig erachten. Haben diese Leute Angst? Wovor? Und lasst uns annehmen, die Angst sei begründet: Wie können wir ihnen das Gefühl vermitteln, dass wir diese Menschen nicht abgeschrieben haben und dass sie weiterhin einen Platz in einer demokratischen Gesellschaft haben?

„Die einzige Schlacht, die man sicher verliert, ist die, die man aufgibt.“

(Urheber:in unbekannt)

Lasst uns – wie man auf Neudeutsch so schön sagt – on a high note enden: Unser kleiner, feiner Newsletter wird mit dieser Ausgabe ein Jahr alt. Vielen Dank Euch allen für Eure Treue. Wir machen weiter und werden hier jede Woche unser Liked, Lacked, Learned teilen. Wenn Du Lust hast, teile den Newsletter mit Deinen Freund:innen – oder schick mir doch einfach mal Dein eigenes Liked, Lacked oder Learned – und vielleicht tauchst Du dann mit Deinem Beitrag hier nächste Woche auf?

Sachar geht am Sonntag auf jeden Fall wählen.

Liked. 🫶

Kritisches (Hinter)fragen gehört zu unserer demokratischen Verantwortung. (Screenshot: © ARD)

Demokratie ist unsere Verantwortung. Wir müssen uns für sie einsetzen, für sie streiten, für sie auf die Straße gehen – und natürlich wählen. Was mir in den letzten Tagen besonders gefallen hat: Politiker:innen kritisch (hinter)fragen. Ich sehe gerade viele Video-Clips aus Wahlsendungen, in denen sich Bürger:innen und Politiker:innen mit klugen Fragen duellieren. Das muss nicht nur in der Fernseh-Arena passieren, sondern funktioniert auch auf anderen Wegen, z. B. mit persönlichen Mails an Abgeordnete. Politiker:innen sind nicht „die da oben“, sondern von uns gewählt – und es ist unsere Verantwortung, sie an ihre Verantwortung zu erinnern.

Verena freut sich, wenn Bürger:innen – auch über die Wahl hinaus – aktiv für die Demokratie einstehen.

Lacked.

Im Jahr 2025 wissen wir jederzeit von jedem neuen Problem auf der Welt. Aber können wir es deshalb auch (besser) lösen? (Bild: mit DALL-E erstellt) 

Kinder. Klima. KI. Konflikte. Kriege. Das sind nur die Themen mit K, die in diesem Anderthalb-Themen-Wahlkampf kaum eine Rolle gespielt haben. Markus Feldenkirchen schimpft: Ein Witz von einem Wahlkampf! So weit würde ich nicht gehen. Aber wo er recht hat: Die K-Themen sind viel zu wichtig, um Nebensache zu bleiben – genauso wie Europas Zukunft, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit, Bildung, Wohnen, Pflege, Rente. Über all das muss gestritten werden. Mit Ideen, mit Leidenschaft; vielleicht sogar mit einer Agenda 2050? Was ich mir ab Sonntag, 18 Uhr, wünsche: Dass die Politik sich weniger von Aufreger-Headlines, populistischen Nebelkerzen, Umfragewerten und Hetze treiben lässt und mehr von einer Vision fürs große Ganze. Dass wir alle weniger in Breaking News denken. Und mehr in Slow News.

Mark will statt Wahlkampf-Junkfood mehr Reportagen und (Hör-)Bücher konsumieren, um die Welt zu verstehen.

Learned. 💡

In der neuen Folge Bosetti Late Night geht es um den Einfluss von Angst auf die Bundestagswahlen. (Screenshot: YouTube / @BosettiWillReden)

Warum lassen sich manche Menschen bei ihrer Wahlentscheidung eher von Angst als von Fakten leiten? Die Neurowissenschaftlerin Maren Urner erklärt im Gespräch mit Sarah Bosetti: In Angstsituationen reagiert unser Gehirn auf die vermeintliche Gefahr im Hier und Jetzt – und wird nachweislich „dümmer“, da unser IQ statistisch signifikant sinkt. In einer Podcast-Folge Smarter leben erläutert sie: Wer akut auf Risiken reagiert und darauf basierend eine Entscheidung trifft, mache es sich einfach und handle „emotional unreif“, statt die eigene Angst tiefer zu hinterfragen. Das ist nachvollziehbar, denn Selbstreflexion ist anstrengend, unangenehm und entspricht eben nicht unserer instinktiven Reaktion auf Angst. Laut Urner brauchen wir Ruhe und sogar eine gewisse Leichtigkeit, um unsere zugrundeliegenden Motive zu durchdringen – und langfristig bessere Entscheidungen zu treffen, die wirklich unseren eigenen Werten entsprechen. Angst hingegen manipuliert uns, indem sie unser Denken blockiert. Bosettis Fazit: „Macht euer Kreuzchen nicht mit zitternden Händen“.

Lisa versteht jetzt, dass Angst unser Gehirn lähmt – und wir sie intensiv hinterfragen müssen, um wirklich „frei“ nach unseren Werten zu wählen.

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